Pats Games Library

Chrono Cross: The Radical Dreamers Edition

Chrono Cross: The Radical Dreamers Edition

PlattformPlayStation 4Erschienen7. April 2022Metascore74Auch fürPCNintendo SwitchXbox One

Reviews

Pat · 14.8.2025
★★★★80/100

Review: Chrono Cross – The Radical Dreamers Edition (Nintendo Switch)

Ein zeitloses JRPG-Meisterwerk mit Ecken und Kanten – im neuen Gewand

„Chrono Cross: The Radical Dreamers Edition“ bringt ein kultiges Rollenspiel zurück, das mit seiner einzigartigen Geschichte und seinem unverwechselbaren Artstyle begeistert. Doch das Remaster offenbart auch die Schwächen des Originals – besonders im Gameplay.

Vor über zwei Jahrzehnten erschien „Chrono Cross“ für die PlayStation und polarisierte mit seiner ungewöhnlichen Erzählweise, dem experimentellen Kampfsystem und einer Welt, die zwischen Traum und Realität schwankt. Nun kehrt das Spiel als „The Radical Dreamers Edition“ auf die Nintendo Switch zurück – mit überarbeiteter Präsentation, Komfortfunktionen und einer Prise Nostalgie. Doch hält das Remaster, was es verspricht? Und lohnt sich der Einstieg für Neulinge?

„Chrono Cross“ ist ein Spiel, das man nicht einfach nur spielt – man erlebt es. Die Geschichte um den jungen Dieb Serge, der zwischen zwei parallelen Welten hin- und hergerissen wird, ist eine der ambitioniertesten Erzählungen des JRPG-Genres. Sie verbindet persönliche Schicksale mit kosmischen Konflikten, ohne dabei jemals den Fokus auf ihre Charaktere zu verlieren. Die Protagonisten, von der mysteriösen Kid bis zum tragischen Lynx, sind unvergesslich, auch wenn nicht alle von ihnen die gleiche Tiefe erhalten. Die Antagonisten wiederum sind komplexer, als es zunächst den Anschein hat – einige entwickeln sich im Laufe der Handlung sogar zu Verbündeten.

Die Stärke von „Chrono Cross“ liegt zweifellos in seiner Atmosphäre. Die vorgerenderten Hintergründe, die bereits im Original beeindruckten, wirken auch heute noch wunderschön. Der Artstyle ist einzigartig: eine Mischung aus japanischem Anime-Einfluss und westlicher Fantasy-Ästhetik, die dem Spiel einen unverwechselbaren Look verleiht. Die Musik von Yasunori Mitsuda ist ein weiteres Highlight – melancholisch, episch und voller emotionaler Kraft. Die Soundeffekte hingegen wirken dagegen etwas veraltet, was jedoch den Gesamteindruck kaum schmälert.

Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten – und die zeigen sich vor allem im Gameplay. Das Kampfsystem von „Chrono Cross“ war schon 1999 umstritten, und aus heutiger Sicht wirkt es noch befremdlicher. Statt eines klassischen „Weiß schlägt Schwarz“-Systems setzt das Spiel auf ein dreistufiges Elementarsystem (Rot, Blau, Grün), das sich je nach Situation dynamisch verändert. Klingt theoretisch interessant, führt in der Praxis aber oft zu Frustration. Ohne ständiges Nachschlagen in einem Guide oder der Nutzung der neuen Komfortfunktionen (wie Auto-Battle oder Zeitbeschleunigung) ist ein Durchspielen kaum möglich. Besonders für moderne Spieler, die an klare Mechaniken gewöhnt sind, kann das eine echte Hürde darstellen.

Ein weiteres Problem ist die Spielerführung. „Chrono Cross“ gibt sich oft kryptisch – Rätsel sind unklar formuliert, wichtige Handlungsorte werden nicht ausreichend markiert, und manche Fortschritte erfordern fast schon detektivischen Spürsinn. Ein Beispiel: Um mit Fargo in einer der Parallelwelten auf sein Schiff zu gelangen, muss man nicht nur den richtigen Charakter im Team haben, sondern auch eine spezifische Szene ausgelöst haben. Wer hier nicht weiterkommt, wird ohne externe Hilfe schnell aufgeben. Die im Remaster integrierten Hinweisfunktionen mildern dieses Problem etwas ab, doch eine grundlegende Überarbeitung der Navigation wäre wünschenswert gewesen.

Die Charaktervielfalt ist Fluch und Segen zugleich. Mit über 40 rekrutierbaren Figuren bietet „Chrono Cross“ eine beeindruckende Auswahl – doch nicht alle von ihnen erhalten die gleiche Aufmerksamkeit. Während Protagonisten wie Serge, Kid oder Harle tiefgründige Entwicklungen durchlaufen, bleiben andere auf reine Nebenrollen beschränkt. Das führt dazu, dass einige der an sich sympathischen Charaktere oberflächlich wirken. Dennoch: Die Dynamik zwischen den Figuren ist oft so stark, dass man ihnen gerne folgt, selbst wenn ihre Hintergrundgeschichten nur angerissen werden.

Das Remaster selbst bringt einige willkommene Verbesserungen mit sich. Die Komfortfunktionen – darunter die Möglichkeit, die Spielzeit zu beschleunigen, Kämpfe automatisch zu bestreiten oder sogar Unsterblichkeit zu aktivieren – sind eine echte Bereicherung. Ohne sie wäre das Spiel für viele Spieler heute kaum noch zugänglich. Auch die technische Umsetzung auf der Switch überzeugt: Die Ladezeiten sind kurz, die Grafik wurde behutsam aufpoliert, und das Spiel läuft stabil. Lediglich die Steuerung mit den Joy-Cons fühlt sich manchmal etwas umständlich an – ein Pro Controller wird hier dringend empfohlen.

Fazit: „Chrono Cross: The Radical Dreamers Edition“ ist ein wichtiges Stück Spielegeschichte, das trotz seiner Mängel begeistert. Die Geschichte, die Atmosphäre und der einzigartige Artstyle machen das Spiel zu einem Erlebnis, das man als JRPG-Fan einmal gespielt haben sollte. Doch die veralteten Gameplay-Mechaniken und die oft undurchsichtige Spielerführung zeigen, dass das Spiel eindeutig ein Kind seiner Zeit ist. Wer bereit ist, über diese Hürden hinwegzusehen – oder sie dank der Komfortfunktionen zu umgehen –, wird mit einem unvergesslichen Abenteuer belohnt. Für alle anderen bleibt „Chrono Cross“ ein faszinierendes, aber auch anstrengendes Relikt aus einer Ära, in der Spiele noch nicht auf maximale Zugänglichkeit ausgelegt waren.

Wertung: 80/100