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Cyberpunk 2077

Cyberpunk 2077

PlattformPCErschienen10. Dezember 2020Metascore86Auch fürPlayStation 4PlayStation 5StadiaXbox OneXbox Series X

Reviews

Pat · 20.6.2026
★★★★★100/100

Cyberpunk 2077 auf PlayStation 5: Ein Meisterwerk mit Makeln

CD Projekt Reds dystopischer RPG-Kracher ist heute ein Pflichtspiel – trotz holprigem Start.

Vier Jahre nach dem desaströsen Launch hat sich Cyberpunk 2077 auf der PlayStation 5 zu einem der besten Rollenspiele aller Zeiten gemausert. Eine düstere, emotionale Reise durch Night City, die technisch und narrativ Maßstäbe setzt – wenn auch mit kleinen Abstrichen.

Es war ein Debakel, das die Spielebranche erschütterte: Der Release von Cyberpunk 2077 im Dezember 2020 auf Konsolen der vorherigen Generation glich einer technischen Katastrophe. Doch was folgte, war eine der bemerkenswertesten Comeback-Storys der jüngeren Gaming-Geschichte. Auf der PlayStation 5 präsentiert sich das Spiel heute als ein nahezu makelloses, atmosphärisches Rollenspiel, das in puncto Storytelling, Weltgestaltung und Gameplay kaum Wünsche offenlässt – auch wenn der Weg dorthin steinig war.

Night City ist ein Moloch, der einen sofort in seinen Bann zieht. Die Stadt ist ein lebendiger Organismus, pulsierend mit Neonlichtern, schmutzigen Gassen und einer Bevölkerung, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt. CD Projekt Red hat hier eine Welt erschaffen, die nicht nur optisch beeindruckt, sondern auch eine unglaubliche Dichte an Geschichten und Details bietet. Jede Ecke, jeder NPC, jedes Plakat erzählt eine eigene kleine Geschichte – und das in einer Weise, die selten so konsequent umgesetzt wurde.

Eine Geschichte, die unter die Haut geht

Im Zentrum von Cyberpunk 2077 steht die Reise von V, einem Söldner, der sich in den Strudel einer Verschwörung stürzt, die ihn unweigerlich in den Abgrund reißt. Die Story ist düster, oft zynisch und selten versöhnlich. Fast nichts endet gut in Night City, und genau das macht den Reiz aus. Die Charaktere sind komplex, ihre Motivationen vielschichtig, und die Dialoge scharf geschrieben. Besonders hervorzuheben sind die Performances der Sprecher:innen, allen voran Keanu Reeves als Johnny Silverhand, dessen Präsenz allein schon einen Großteil des Spiels trägt. Aber auch Nebenfiguren wie Judy, Panam oder River glänzen durch authentische Darstellungen, die Emotionen wecken – sei es Wut, Trauer oder Mitgefühl.

Die Handlung ist nicht linear, sondern passt sich den Entscheidungen des Spielers an. Verschiedene Enden sorgen für hohen Wiederspielwert, auch wenn einige Pfade narrativ stärker überzeugen als andere. Besonders die Nebenmissionen stechen hervor: Sie sind oft tiefgründiger und emotional packender als die Hauptstory selbst. The Hunt, Pyramid Song oder Automatic Love gehören zu den besten Quests, die das Genre zu bieten hat – und das will etwas heißen.

Gameplay: Innovation trifft auf Perfektion

Cyberpunk 2077 bricht mit vielen Konventionen klassischer RPGs und setzt stattdessen auf ein System, das Flexibilität und Kreativität belohnt. Der Spieler kann V nach Belieben aufbauen, sei es als brutalen Nahkämpfer, hinterhältigen Netrunner oder präzisen Scharfschützen. Die Fähigkeiten sind vielfältig und lassen sich durch Implantate und Cyberware weiter anpassen. Besonders die Quick-Hacks – eine Art technomagische Fähigkeiten – verleihen dem Gameplay eine frische Dynamik. Wer hätte gedacht, dass das Überhitzen von Feinden oder das Manipulieren ihrer Emotionen so befriedigend sein kann?

Die Kämpfe sind actionreich und fordern strategisches Denken, besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden. Die KI der Gegner ist zwar nicht immer perfekt, aber insgesamt gut genug, um Herausforderungen zu bieten. Die Fahrzeugsteuerung, einst ein Schwachpunkt, wurde über die Jahre deutlich verbessert und fügt sich nun nahtlos in das Erlebnis ein. Night City mit einem schnellen Motorrad zu durchqueren, während der Wind durch Vs Haare peitscht und im Hintergrund die Skyline leuchtet, ist ein Moment purer Immersion.

Technik und Atmosphäre: Ein Fest für die Sinne

Grafisch ist Cyberpunk 2077 auf der PlayStation 5 ein absolutes Schaupiel. Die Stadt ist detailliert bis ins kleinste Pixel, die Licht- und Schatteneffekte atemberaubend, und die Animationen der Charaktere wirken so natürlich wie selten zuvor. Besonders die Gesichtsanimationen sind ein technisches Meisterwerk – die Mimik der Figuren transportiert Emotionen auf eine Weise, die man sonst nur aus hochwertigen Filmen kennt.

Doch nicht nur das Visuelle überzeugt: Das Sounddesign ist ein weiterer Höhepunkt. Jeder Schuss, jeder Schritt, jedes Klingeln eines Handys – alles ist akribisch ausgearbeitet und trägt zur Atmosphäre bei. Die Musik, komponiert von Marcin Przybyłowicz und anderen, unterstreicht die Stimmung perfekt, sei es durch düstere Synth-Klänge oder epische Orchestral-Arrangements. Selbst die Radiostationen, die man im Auto hört, sind liebevoll gestaltet und fügen sich nahtlos in die Welt ein.

Die Performance auf der PS5 ist größtenteils stabil, auch wenn gelegentliche Abstürze oder kleine Bugs noch immer vorkommen. CD Projekt Red hat jedoch mit zahlreichen Patches und Updates – darunter die PS5 Pro-Unterstützung mit 120 FPS – bewiesen, dass sie das Spiel kontinuierlich verbessern. Die Ladezeiten sind kurz, die Framerate stabil, und die Raytracing-Effekte machen die Stadt noch lebendiger.

Die Schattenseiten: Ein steiniger Weg zur Perfektion

Trotz aller Lobeshymnen darf man nicht vergessen, dass Cyberpunk 2077 nicht von Anfang an so glänzte. Der Launch war ein Desaster, besonders auf Konsolen der vorherigen Generation. Bugs, Abstürze und Performance-Probleme machten das Spiel zeitweise unspielbar. CD Projekt Red hat sich zwar mit Nachdruck um die Behebung dieser Probleme gekümmert, doch der Imageschaden war enorm. Selbst heute, Jahre später, sind nicht alle Makel vollständig beseitigt. Gelegentliche Glitches oder physikalische Eigenheiten (wie schwebende Gegner) erinnern daran, dass das Spiel nicht von Anfang an perfekt war.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die PolizeikI. Während sie in der Theorie für mehr Realismus sorgen sollte, wirkt sie in der Praxis oft unberechenbar und kann das Spielerlebnis unnötig frustrieren. Auch die KI der Begleiter lässt manchmal zu wünschen übrig – sie stehen im Kampf oft nur herum oder stolpern hilflos durch die Gegend.

Nichtsdestotrotz: Diese Schwächen fallen im Gesamtpaket kaum ins Gewicht. Cyberpunk 2077 ist heute ein Spiel, das seine Fehler weitgehend hinter sich gelassen hat und stattdessen mit seinen Stärken glänzt.

Fazit: Ein Pflichtspiel mit kleinen Makeln

Cyberpunk 2077 auf der PlayStation 5 ist ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht. Es ist ein Spiel, das technisch, narrativ und spielerisch Maßstäbe setzt – auch wenn der Weg dorthin holprig war. Die Story ist packend, die Welt lebendig, das Gameplay innovativ, und die Atmosphäre unübertroffen. Wer bereit ist, über die wenigen verbliebenen Bugs hinwegzusehen, wird mit einem der besten Rollenspiele der letzten Jahre belohnt.

CD Projekt Red hat nicht nur ein Comeback geschafft, sondern ein Spiel abgeliefert, das in jeder Hinsicht überzeugt. Cyberpunk 2077 ist kein perfektes Spiel – aber es ist ein Spiel, das man unbedingt gespielt haben sollte.