Pats Games Library

Resident Evil 7: biohazard

Resident Evil 7: biohazard

PlattformPCErschienen24. Januar 2017Metascore86Auch füriOS (iPhone/iPad)PlayStation 4PlayStation 5Xbox OneXbox Series X

Reviews

Pat · 20.6.2026
★★★★★95/100

Resident Evil 7: biohazard – Ein triumphaler Neuanfang für die Serie

Capcom kehrt mit brutaler Ego-Perspektive zu den Wurzeln des Survival-Horrors zurück.

Nach Jahren der Selbstfindung katapultiert Resident Evil 7 das Franchise zurück in die erste Liga des Horror-Genres. Mit einer radikalen Perspektivänderung, beklemmender Atmosphäre und unerbittlichen Gegnern setzt der Titel neue Maßstäbe – auch wenn er gegen Ende etwas an Fahrt verliert.

Resident Evil 7: biohazard markiert eine Zäsur in der Geschichte des Franchises. Nach den umstrittenen Experimenten der letzten Jahre – insbesondere dem actionlastigen Resident Evil 6 – kehrt Capcom mit einer mutigen Entscheidung zu den Wurzeln zurück: dem puren Survival-Horror. Die Umstellung auf die Ego-Perspektive ist dabei mehr als nur ein technischer Kniff; sie verändert grundlegend, wie Spieler die beklemmende Welt von RE7 erleben. Doch ist dieser Neuanfang gelungen? Die Antwort lautet: ja – mit Einsc

Schon die ersten Minuten von Resident Evil 7 machen klar, dass hier nichts mehr so ist wie früher. Der Spieler übernimmt die Rolle von Ethan Winters, einem Durchschnittsmann, der auf der Suche nach seiner verschollenen Frau in ein verlassenes Anwesen im ländlichen Louisiana gerät. Was als harmlose Rettungsmission beginnt, entpuppt sich schnell als Albtraum. Die Baker-Familie, eine Gruppe von deformierten, kannibalistischen Irren, macht Ethan das Leben zur Hölle – und dem Spieler gleich mit.

Die Ego-Perspektive ist dabei der entscheidende Faktor, der RE7 von seinen Vorgängern abhebt. Sie schafft eine nie dagewesene Immersion, die selbst die ikonischen Kamerawinkel der klassischen Teile in den Schatten stellt. Plötzlich steht man selbst im dunklen Flur, hört das Knarren der Dielen unter den eigenen Schritten und spürt, wie sich der Puls beschleunigt, wenn irgendwo im Haus ein Geräusch ertönt. Die Perspektive macht die Bedrohung greifbarer, die Angst unmittelbarer. Besonders Jack Baker, der patriarchale Verfolger der Familie, wird durch diese Inszenierung zu einem der unheimlichsten Antagonisten der Serie. Seine unberechenbaren Auftritte, kombiniert mit einer brutalen Nahkampfmechanik, sorgen für einige der intensivsten Momente des Spiels.

Doch nicht nur die Perspektive, sondern auch die Gestaltung der Spielwelt trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Das verfallene Anwesen der Bakers ist ein Meisterwerk des Leveldesigns. Jeder Raum erzählt eine Geschichte, jeder Gegenstand – von den blutverschmierten Wänden bis zu den grotesken „Familienfotos“ – verstärkt das Gefühl des Verfalls und des Wahnsinns. Die Sounddesign-Abteilung hat hier ganze Arbeit geleistet: Das Knacken von Holz, das Flüstern der Baker-Familie oder das plötzliche Aufheulen einer Kettensäge in der Ferne sorgen für eine konstante Gänsehaut. Die Musik hingegen fällt etwas ab – sie erfüllt zwar ihren Zweck, bleibt aber oft im Hintergrund und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.

Das Gameplay selbst ist eine gelungene Mischung aus altbewährten und neuen Elementen. Die Ressourcenknappheit, ein Markenzeichen der Serie, ist zurück und zwingt den Spieler zu strategischem Denken. Munition ist knapp, Heilgegenstände rar, und jeder Fehler kann tödlich enden. Die Steuerung fühlt sich präzise an, auch wenn die Bewegungsfreiheit in engen Räumen manchmal etwas umständlich wirkt. Die Rätsel sind meist logisch aufgebaut, auch wenn einige Lösungen etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen wirken. Besonders gelungen ist die Integration von VR-Elementen (für PlayStation VR), die das Spielerlebnis noch intensiver machen – auch wenn RE7 auch ohne VR ein Meisterwerk ist.

Die Story von Resident Evil 7 ist zunächst simpel gehalten: Ethan sucht seine Frau. Doch je tiefer man in die Welt der Bakers eintaucht, desto mehr Schichten werden freigelegt. Die Handlung nimmt im späteren Verlauf einige überraschende Wendungen, die das Spiel in einen größeren Kontext stellen. Allerdings verliert der Horror-Aspekt hier etwas an Kraft. Während die ersten Stunden von einer fast greifbaren Spannung geprägt sind, weicht diese im letzten Drittel zunehmend einer actionlastigeren Inszenierung. Die Beklemmung der Anfangsstunden wird durch spektakuläre, aber weniger furchteinflößende Set-Pieces ersetzt. Das ist schade, denn gerade die ersten Kapitel gehören zum Besten, was das Horror-Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Charakterentwicklung. Ethan Winters bleibt trotz der extremen Situationen, in die er gerät, ein relativ blasser Protagonist. Seine Motivation ist nachvollziehbar, aber seine Persönlichkeit bleibt weitgehend unsichtbar. Die Baker-Familie hingegen ist eine der stärksten Antagonistengruppen der Serie. Jedes Familienmitglied hat seine eigene, unheimliche Note – sei es die wahnsinnige Mutter Marguerite, der sadistische Sohn Lucas oder der bereits erwähnte Jack, der mit seiner physischen Präsenz und seiner unberechenbaren Art für Gänsehaut sorgt.

Technisch macht Resident Evil 7 auf der PlayStation 4 eine gute Figur. Die Grafik ist detailliert, auch wenn sie nicht immer auf dem Niveau aktueller Blockbuster liegt. Die Framerate bleibt stabil, und die Ladezeiten sind erträglich. Kleinere technische Macken, wie gelegentlich ruckelnde Animationen oder unsaubere Texturen, fallen kaum ins Gewicht.

Fazit: Resident Evil 7: biohazard ist ein triumphaler Neuanfang für eine Serie, die lange Zeit orientierungslos wirkte. Die Rückkehr zu den Wurzeln des Survival-Horrors gelingt dank der Ego-Perspektive, der beklemmenden Atmosphäre und der unerbittlichen Gegner auf beeindruckende Weise. Dass der Horror-Aspekt im späteren Verlauf etwas an Kraft verliert, ist bedauerlich, aber kein Grund, dieses Spiel zu verpassen. Wer bereit ist, sich auf die düstere Welt der Bakers einzulassen, wird mit einem der intensivsten und unvergesslichsten Horror-Erlebnisse der letzten Jahre belohnt. Resident Evil 7 ist kein perfektes Spiel, aber ein notwendiges – und ein verdammt gutes dazu.