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Resident Evil Village

Resident Evil Village

PlattformPlayStation 4Erschienen7. Mai 2021Metascore84Auch füriOS (iPhone/iPad)PCPlayStation 5StadiaNintendo SwitchXbox OneXbox Series X

Reviews

Pat · 20.6.2026
★★½50/100

Resident Evil Village im Test: Action-Adventure mit Horror-Anspruch

Capcoms jüngster Serienteil setzt auf Antagonisten statt auf echten Horror – mit gemischten Ergebnissen.

Resident Evil Village sollte der Nachfolger des gefeierten siebten Teils werden. Doch statt beklemmendem Horror bietet Capcom vor allem ein strukturiertes Action-Adventure mit starken Charakteren, aber schwacher Story und vorhersehbarer Spielwelt. Wer mehr als nur oberflächliche Spannung sucht, könnte enttäuscht werden.

Mit Resident Evil Village kehrt Capcom zu den Wurzeln der Serie zurück – zumindest auf den ersten Blick. Doch während der Titel auf dem Papier wie ein klassisches Survival-Horror-Spiel wirkt, entpuppt er sich in der Praxis als ein Action-Adventure mit Horror-Elementen, das vor allem durch seine Antagonisten glänzt. Die Erwartungen, besonders nach dem intensiven Vorgänger Resident Evil 7, werden jedoch nur teilweise erfüllt.

Schon der Einstieg in Resident Evil Village wirkt vertraut: Protagonist Ethan Winters, bekannt aus dem siebten Teil, wird erneut in eine albtraumhafte Situation geworfen. Diesmal geht es um seine entführte Tochter Rosemary, die ihn in ein abgelegenes europäisches Dorf führt. Doch statt der erhofften, beklemmenden Atmosphäre erwartet den Spieler eine Welt, die sich schnell als strukturiert und vorhersehbar entpuppt.

Die Spielwelt ist in einen zentralen Hub und mehrere, nacheinander freischaltbare Gebiete unterteilt. Diese Aufteilung erinnert an ein Open-World-Spiel im Miniaturformat – allerdings ohne die Freiheit, die ein solches Konzept eigentlich ausmacht. Stattdessen wird der Spieler linear von einem Gebiet zum nächsten geführt, um die vorgestellten Antagonisten der Reihe nach zu besiegen. Diese Struktur wirkt nicht nur repetitiv, sondern auch wenig inspiriert. Besonders enttäuschend ist, dass die Welt trotz ihrer visuellen Vielfalt kaum echte Überraschungen bereithält. Jeder Bereich folgt einem ähnlichen Muster: Erkundung, Rätsel, Kampf, Bossgegner – ein Schema, das sich bis zum Ende durchzieht.

Dabei sind die Antagonisten zweifellos das Highlight des Spiels. Jeder von ihnen verkörpert einen eigenen Spielstil und eine einzigartige Atmosphäre. Alcina Dimitrescu, die aristokratische Vampirin, dominiert mit ihrem Schloss eine klassische Resident-Evil-Umgebung, die an die frühen Teile der Serie erinnert. Donna Beneviento und ihre unheimliche Puppe Angie sorgen für einen der wenigen wirklich beängstigenden Momente im Spiel. Salvatore Moreau, das deformierte Sumpfmonster, sticht durch seine depressive und introvertierte Art hervor, während Karl Heisenberg mit seiner überdrehten Fabrik und seinen mechanischen Kreaturen für actionreiche Abwechslung sorgt. Diese Charaktere sind nicht nur optisch eindrucksvoll, sondern prägen auch die jeweiligen Spielabschnitte maßgeblich – ein Verdienst, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Doch trotz dieser starken Antagonisten bleibt die Story von Resident Evil Village enttäuschend. Die Handlung wirkt zusammenhangslos und oftmals albern, besonders gegen Ende, wenn das Spiel zunehmend in absurde Übertreibungen abdriftet. Wer hier eine tiefgründige oder gar ernsthafte Erzählung erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen dominieren Klischees und eine Erzählweise, die sich nicht entscheiden kann, ob sie Horror oder Action-Comedy sein will. Die Dialoge sind holprig, und die Motivationen der Charaktere wirken oft unglaubwürdig. Selbst Ethan Winters, der Protagonist, bleibt blass und emotionslos – ein Problem, das bereits im siebten Teil bestand und hier nicht gelöst wird.

Auch das Gameplay selbst ist durchwachsen. Während die Steuerung solide ist und die Kämpfe gegen die verschiedenen Gegner durchaus Spaß machen, fehlt dem Spiel oft die nötige Spannung. Die Ressourcenknappheit, ein Markenzeichen der Serie, ist hier weniger ausgeprägt, was die Kämpfe weniger strategisch und dafür actionlastiger macht. Das Inventar-Management, ein weiteres klassisches Element von Resident Evil, wirkt ebenfalls vereinfacht und weniger herausfordernd. Wer auf echten Survival-Horror gehofft hat, wird hier enttäuscht: Village ist eher ein Action-Spiel mit Horror-Elementen als ein waschechter Vertreter des Genres.

Optisch und akustisch hinterlässt das Spiel einen gemischten Eindruck. Die Grafik ist auf der PlayStation 5 beeindruckend, besonders die Licht- und Schatteneffekte sowie die detaillierten Charaktermodelle. Allerdings wirkt der Art-Style oft überladen und unausgegoren. Die düstere Atmosphäre, die für Resident Evil so prägend ist, wird nur selten wirklich spürbar. Einzig in den Abschnitten mit Donna Beneviento und ihrer Puppe gelingt es dem Spiel, echte Angst und Beklemmung zu erzeugen. Der Rest der Welt wirkt dagegen oft steril und leblos. Ähnlich verhält es sich mit dem Sounddesign: Die Musik ist unauffällig und trägt kaum zur Spannung bei, während die Soundeffekte zwar solide, aber nicht herausragend sind.

Die ausgelösten Gefühle sind entsprechend ambivalent. Es gibt Momente der Spannung und sogar der Ehrfurcht, etwa wenn die Antagonisten in all ihrer Pracht inszeniert werden. Doch echte Angst oder gar Panik bleiben die Ausnahme. Stattdessen dominiert oft Langeweile, besonders in den repetitiven Spielabschnitten. Wer sich auf ein intensives Horror-Erlebnis gefreut hat, wird hier enttäuscht – wer dagegen ein actionreiches Abenteuer mit starken Charakteren sucht, könnte durchaus auf seine Kosten kommen.

Fazit: Resident Evil Village ist ein Spiel mit klaren Stärken und ebenso klaren Schwächen. Die Antagonisten sind herausragend und machen das Spiel zu einem lohnenswerten Erlebnis für Fans der Serie. Doch die schwache Story, die vorhersehbare Spielwelt und das Fehlen echter Horror-Elemente trüben den Gesamteindruck. Wer den Story-Arc um Ethan Winters und seine Tochter erleben möchte, sollte sich Village ansehen – allerdings mit der Erwartungshaltung eines Action-Adventures, nicht eines Survival-Horror-Spiels. Für alle anderen bleibt die Empfehlung abhängig vom persönlichen Geschmack: Wer auf starke Charaktere und actionreiche Kämpfe steht, könnte Gefallen an dem Spiel finden. Wer dagegen echten Horror sucht, sollte sich anderweitig umsehen.