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Dragon's Dogma 2

Dragon's Dogma 2

PlattformPCErschienen22. März 2024Metascore86Auch fürPlayStation 5Xbox Series X

Reviews

Pat · 1.5.2025
★★35/100

Dragon’s Dogma 2 im Test: Eine Welt voller Möglichkeiten – doch die Story bremst aus

Ein ambitioniertes Open-World-Abenteuer mit starken Gameplay-Ideen, das an einer schwachen Erzählung und repetitiven Quests scheitert.

Dragon’s Dogma 2 glänzt mit einem fesselnden Kampfsystem und einer lebendigen Spielwelt, doch die enttäuschende Story und lieblose Questgestaltung trüben den Gesamteindruck erheblich.

Mit Dragon’s Dogma 2 kehrt Capcoms Open-World-Rollenspiel zurück – und präsentiert sich als ein Titel der Extreme. Während das Gameplay, die Exploration und die dynamischen Kämpfe gegen riesige Gegner überzeugen, entpuppt sich die Handlung als eine Ansammlung klischeehafter Wendungen und sinnentleerter Aufgaben. Wer bereit ist, über die schwache Erzählung hinwegzusehen, findet ein technisch beeindruckendes, aber letztlich unausgegorenes Abenteuer vor.

Schon die ersten Minuten von Dragon’s Dogma 2 wirken wie ein schlechter Scherz. Der Protagonist – dessen Identität und Motivation im Dunkeln bleiben – erwacht als Sklave in einer gottverlassenen Ecke der Spielwelt, nur um kurz darauf Zeuge eines spektakulären, aber völlig zusammenhanglosen Monsterangriffs zu werden. Die Flucht endet mit einem waghalsigen Sprung von einer Klippe, bei dem der Held wie durch ein Wunder von einem Greifen gerettet wird. Ein dramatischer Auftakt, der jedoch mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet – und der Ton ist damit für das gesamte Spiel gesetzt.

Denn Dragon’s Dogma 2 hat ein fundamentales Problem: Es weiß nicht so recht, was es sein will. Einerseits bietet es eine der faszinierendsten Spielwelten der letzten Jahre – dicht, atmosphärisch und voller Geheimnisse. Die Erkundung macht Spaß, sei es beim Klettern auf gigantische Gegner, beim Durchstreifen dunkler Höhlen oder beim Ausweichen nächtlicher Bedrohungen. Die Physik-Engine sorgt für unerwartete Momente, etwa wenn ein Tritt einen Gegner unabsichtlich in eine Gruppe Feinde schleudert. Und die Kämpfe gegen die sogenannten „Drachenfürsten“ sind spektakulär: Hier darf der Spieler tatsächlich auf den Rücken der Bestien klettern, um Schwachstellen zu attackieren – ein Gameplay-Mechanismus, der so einzigartig wie befriedigend ist.

Doch sobald die Handlung ins Spiel kommt, bricht das Erlebnis in sich zusammen. Die Story wirkt wie ein hastig zusammengeschustertes Puzzle aus Fantasy-Klischees: Der Held (oder ist er ein König? Ein Niemand? Ein Werkzeug?) verliert sein Gedächtnis, wird versklavt, flieht und stolpert von einer willkürlichen Wendung zur nächsten. Die Questgeber sind unglaubwürdig, ihre Aufträge oft ermüdend repetitiv: „Hol mir X aus Y“, „Bring Z nach A und komm dann zurück, um erneut nach Y zu laufen.“ Selbst für Open-World-Verhältnisse sind die Aufgaben hier erschreckend simpel – und das in einem Spiel, das sonst so viel Wert auf Interaktivität legt.

Besonders ärgerlich ist die fehlende Motivation des Protagonisten. Während andere Rollenspiele ihren Helden klare Ziele oder zumindest eine Persönlichkeit mitgeben, bleibt der „Arisen“ in Dragon’s Dogma 2 eine leere Hülle. Selbst die Nebenfiguren, die ihn begleiten, wirken wie austauschbare Statisten, deren Dialoge selten mehr als oberflächliche Floskeln bieten. Die Musik, die eigentlich Stimmungen transportieren sollte, bleibt blass und unauffällig – ein weiterer Punkt, der die ohnehin schwache Erzählung nicht retten kann.

Dabei hätte Dragon’s Dogma 2 so viel Potenzial gehabt. Die Spielwelt ist zwar nicht riesig, aber clever designed: Jeder Pfad verzweigt sich, jede Höhle birgt Überraschungen, und selbst die Nacht wird zu einer echten Gefahr. Die Kämpfe sind taktisch anspruchsvoll, besonders wenn man sich für eine der vier Hauptklassen (Kämpfer, Magier, Schurke oder Mystiker) entscheidet. Und die Möglichkeit, „Pfänder“ – also NPC-Begleiter – zu rekrutieren und zu trainieren, verleiht dem Spiel eine soziale Komponente, die in anderen Open-World-Titeln oft fehlt.

Doch all diese Stärken können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Dragon’s Dogma 2 an seinen eigenen Ambitionen scheitert. Die Story wirkt wie ein Fremdkörper in einer ansonsten so lebendigen Welt, und die Quests fühlen sich an, als wären sie aus einem billigen Mobile-Game importiert worden. Wer bereit ist, diese Mängel zu ignorieren, wird belohnt mit einem technisch beeindruckenden, wenn auch nicht perfekten Abenteuer. Für alle anderen bleibt Dragon’s Dogma 2 eine enttäuschende Erfahrung – ein Spiel, das zu viel verspricht und zu wenig hält.

Fazit: Dragon’s Dogma 2 ist ein Spiel der Extreme. Die Exploration und das Kampfsystem gehören zum Besten, was die Open-World-Gattung derzeit zu bieten hat. Doch die schwache Story, die lieblosen Quests und die fehlende Charaktertiefe machen es schwer, das Spiel uneingeschränkt zu empfehlen. Wer bereit ist, über die erzählerischen Schwächen hinwegzusehen, findet ein technisch herausragendes, aber unausgegorenes Erlebnis vor. Alle anderen sollten sich zweimal überlegen, ob sie die 70 Euro investieren wollen.